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2011 - 2019

Demokratie unter Druck und Arbeitswelt als Lernort

Mit dem Erstarken rechtspopulistischer und demokratiefeindlicher Tendenzen positioniert sich Arbeit und Leben deutlich als Akteur demokratischer Gegenwehr. Projekte gegen Rassismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Desinformation werden ausgebaut.

Seit 2012 wird mit „BasisKom“ arbeitsorientierte Grundbildung systematisch in Betrieben umgesetzt. Arbeitswelt wird explizit als Lernort demokratischer Praxis verstanden – Mitbestimmung, Teilhabe und Qualifizierung greifen ineinander.

Projekte zur politischen Bildung mit jungen Geflüchteten und neue Diversitätsansätze erweitern das Profil.

Grundbildung
Grundbildung

2011

Teilhabe ermöglichen – Bildungsgerechtigkeit stärken: Update der Kernwerte von Arbeit und Leben

Seit der Gründung hat sich Arbeit und Leben in einem Schwerpunkt seiner Bildungsarbeit um Menschen gekümmert, die, gerade was ihre Bildung betraf, schlechtere Chancen hatten. Diesen Schwerpunkt setzte die Organisation auch im neuen Jahrtausend fort. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in Arbeit und Leben-Projekten kann als sozioökonomisch schwach und bildungsmäßig benachteiligt eingeschätzt werden. Arbeit und Leben beteiligt sich an Fachdebatten und Fortbildungen zu diesem Themenkomplex und bezieht sie und vor allem milieu- und schichtsensible Ansätze in seine Bildungsarbeit mit ein.

In seiner Ansprache an potenzielle Teilnehmende richtet sich der Verband konsequent an Chancengleichheit und Chancenverbesserung aus.

"Jubiläumskinder" - Katalog zur Ausstellung 'anstiftung wende'
Autor*innen: Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben (Hrsg.)
Erscheinungsjahr: 2011

2012

Grundbildung als neuer Ansatz in der Bildungsarbeit von Arbeit und Leben

Im Zuge der zunächst europäischen und dann deutschen Grundbildungsdekaden entdeckt auch Arbeit und Leben die Grundbildung, die bisher traditionell Alphabetisierungsarbeit war, als ein neues Feld seiner Bildungsaktivitäten. Gemäß seines in Jahrzehnten gewachsenen Profils entwickelt Arbeit und Leben einen ganz eigenen Ansatz, den der arbeitsorientierten Grundbildung. 2012 geht das vom Bund geförderte arbeitsweltorientierte Projekt „BasisKom“ an den Start und wird in der Folge (auch in Nachfolgeprojekten) innovativ mit einer ganzen Reihe von kooperierenden Betrieben in einer Vielzahl von Branchen mit mehreren tausend Beschäftigten erfolgreich umgesetzt.

BasisKomPlus - Beispiele für Grundbildung in der Arbeitswelt

2014

Ausbau der europäischen Bildungsarbeit mit Erasmus+

Internationale Begegnungen und europäische Bildungsarbeit gehören von Beginn an zur Arbeit des Bundesarbeitskreises. Bereits in den frühen Jahren eröffnen Informations- und Studienreisen sowie internationale Jugendaustausche jungen Menschen die Möglichkeit, andere Länder, Arbeits- und Lebenswelten sowie unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen.

In den 1990er-Jahren wird die Arbeit mithilfe von EU-Förderprogrammen ausgeweitet, insbesondere durch Projekte zum Erwerb fachsprachlicher Kenntnisse und zur Stärkung kommunikativer Kompetenzen in der gewerkschaftlichen Arbeit und der Berufsbildung. An diese Tradition knüpft die europäische Mobilitätsarbeit an, die der Bundesarbeitskreis ab 2008 mit dem EU-Programm Leonardo da Vinci zunehmend auf die berufliche Bildung ausweitet. Auszubildende, junge Arbeitnehmer*innen und Fachkräfte können Erfahrungen in anderen europäischen Ländern sammeln und berufliche wie persönliche Kompetenzen erweitern.

Mit dem Start von Erasmus+ im Jahr 2014 wird diese Arbeit fortgeführt und weiter ausgebaut. Der Bundesarbeitskreis übernimmt eine koordinierende und trägerübergreifende Rolle und setzt gemeinsam mit den Landesorganisationen zahlreiche Mobilitätsprojekte um. Auslandspraktika und berufliche Lernaufenthalte werden zu einem festen Bestandteil der europäischen Bildungsarbeit von Arbeit und Leben.

Logo Erasmus+
Hintergrundbild:
Logo Erasmus+

2014 - 2019

Demokratie unter Druck – klare Positionierung

Erstarkender Rechtspopulismus und demokratiefeindliche Tendenzen in Europa prägen die Bildungsarbeit von Arbeit und Leben. Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rassismus hat dabei eine längere Vorgeschichte: Bereits seit den 1990er-Jahren entstehen eigenständige Arbeitsfelder und Projekte wie das „Netzwerk für Zivilcourage und Gewaltprävention“ und „Linie Q“, eine bundesweite Qualifizierung von Trainer*innen für Zivilcourage und Gewaltprävention.

In den 2000er-Jahren eröffnen die Förderprogramme „XENOS – Leben und Arbeiten in Vielfalt“ und „ENTIMON – gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus“ zusätzliche Möglichkeiten, diese Arbeit auszubauen. Ab 2013 setzt der Bundesarbeitskreis gemeinsam mit Arbeit und Leben Hamburg das Projekt „breit aufgestellt“ im bpb-Programm „Qualifiziert handeln!“ um. Mit dem Start des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ erhält die Demokratieförderung ab 2015 einen höheren Stellenwert in der Bundesförderung. Von 2017 bis 2019 beteiligt sich der Bundesarbeitskreis zudem am Verbundprojekt „Empowered by Democracy“, das politische Bildung mit jungen Geflüchteten und deren demokratische Teilhabe stärkt.

Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus verbindet sich zunehmend mit einem umfassenderen Ansatz der Demokratieförderung. Politische Bildung stärkt Menschen darin, Diskriminierung entgegenzutreten, demokratische Handlungsmöglichkeiten wahrzunehmen und die Gesellschaft mitzugestalten.

Mitgliederversammlung 2016
Mitgliederversammlung 2016

Foto: Arbeit und Leben

ab 2017

Aufsuchende Ansätze politischer Bildung werden ausgebaut

Ab Ende der 2010er-Jahre gewinnt die aufsuchende politische Bildung an Bedeutung. Politische Bildung wurde damit stärker lebensweltorientiert und sozialräumlich gedacht: Nicht die Menschen müssen den Weg zum Bildungsangebot finden – die Bildungsarbeit geht dorthin, wo Menschen leben, arbeiten und sich engagieren. Besonders im Fokus der aufsuchenden politischen Bildung standen ländliche und strukturschwache Regionen. Denn gesellschaftspolitisch fiel diese Entwicklung in eine Zeit, in der Fragen gleichwertiger Lebensverhältnisse, regionaler Ungleichheiten und des gesellschaftlichen Zusammenhalts zunehmend in den Mittelpunkt der Bundespolitik rückten.

Arbeit und Leben erprobte diesen Ansatz bereits seit 2017 im Projekt „Mobiles demokratisches Empowerment für den ländlichen Raum“ (MoDem) in Vorpommern. Darauf aufbauend entwickelte der Bundesarbeitskreis gemeinsam mit den Landesorganisationen Arbeit und Leben Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bayern das Projekt „Geh mit! – Aufsuchende Bildungsarbeit für den ländlichen Raum“ (2020–2023).

Im Bereich der Arbeitswelt wird ab 2022 mit bpb-geförderten Modellprojekten die aufsuchende politische Bildung im Betrieb weiterentwickelt. Das Projekt „Gespaltene Belegschaft?! Miteinander im Betrieb“, das der Bundesarbeitskreis mit Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg umsetzt, schafft Dialog- und Bildungsangebote für Beschäftigte in Südbrandenburg zur gemeinsamen Gestaltung des sozialen und ökologischen Wandels. Mit Arbeit und Leben Sachsen werden im Projekt „Politik zum Nachtisch“ kurze Bildungsformate erprobt, die sich unmittelbar in den Arbeitsalltag integrieren lassen.

Logo "Empowered by Democracy"

2019

Gemeinsame Perspektiven für Jugendbegegnungen und berufliche Mobilität

Bei einer internationalen Partnertagung im November 2019 in Hamburg bringt der Arbeitskreis Internationale Bildungsarbeit erstmals Partner aus der beruflichen Mobilitätsförderung und den Jugendbegegnungsprogrammen in einer gemeinsamen Tagung zusammen.

Gemeinsam wird das Zukunftspapier „Jugendbegegnungen und Jugendmobilität in 2030“ erarbeitet. Die Referent*innen der Landesorganisationen verständigen sich damit auf inhaltliche und strategische Perspektiven für die internationale Jugendbildungsarbeit des kommenden Jahrzehnts. Zentrale Themen sind Digitalisierung, Klimaschutz, Diversitätsbewusstsein und Inklusion. Die Tagung stärkt zugleich den Austausch zwischen den unterschiedlichen Bereichen der internationalen Bildungsarbeit.