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2000 - 2010

Neue soziale Frage und Professionalisierung

Globalisierung, Arbeitsmarktreformen und wachsende soziale Ungleichheit prägen die 2000er Jahre. Arbeit und Leben reagiert auf zunehmende soziale Unsicherheit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit einer stärkeren Ausrichtung der politischen Bildung auf benachteiligte Zielgruppen: Darunter Jugendliche ohne Ausbildungsperspektive, Menschen mit Migrationsgeschichte, ältere Arbeitnehmer*innen und prekär Beschäftigte.

Das Leitmotiv einer „Demokratischen Kultur der Partizipation“ verbindet Jugend-, Erwachsenen- und internationale Bildungsarbeit. Politische Bildung wird dabei verstärkt als Instrument sozialer Integration, Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe verstanden.

Das 50-jährige Jubiläum 2006 bietet Anlass zur Selbstvergewisserung: Politische und berufliche Mündigkeit bleiben zentrale Grundlagen des Selbstverständnisses.

Politische Bildung ermöglicht soziale Teilhabe und stärkt Menschen angesichts wachsender gesellschaftlicher Ungleichheiten.

2000

QVB – Qualitätssicherung im Verbund von Weiterbildungseinrichtungen

Mit dem beginnenden Siegeszug der empirischen Bildungsforschung wird auf Betreiben des Bundes die Frage der Qualitätsfeststellung, -sicherung und -entwicklung auch für die Weiterbildung immer wichtiger. Bundesministerien machen die nachzuweisende Qualität der Bildungsarbeit der von ihnen geförderten Organisationen zu einem ausschlaggebenden Förderkriterium. Im Zuge dessen bemüht sich auch Arbeit und Leben um ein möglichst passgenaues System der Evaluation seiner Arbeitsorganisation.

Der Verband beteiligt sich engagiert selbst an der Entwicklung eines entsprechenden Modells. Mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) konnte gemeinsam mit der evangelischen Erwachsenenbildung das „QVB-Modell“ entwickelt werden. Im Zentrum des Rahmenmodells steht ein Qualitätsverständnis, das Werte, pädagogische Grundlagen, Ziele der Arbeit sowie weitere Aussagen für Bildungseinrichtungen im Verbund beschreibt und die Grundlage für alle Gestaltungsbereiche der Einrichtung bildet. Über ein Stufenmodell können auch kleinere im Verbund tätige Organisationen zertifiziert werden. In der höchsten Stufe wird ein QM-System nach ISO 9001 etabliert.

Bis heute bringt sich der Bundesarbeitskreis aktiv in Projekte und Debatten zu Fragen der Evaluation und Wirkung politischer Bildung ein.

ab 2000

Migration und Flucht – gesellschaftliche Teilhabe stärken

Arbeit und Leben knüpft an eine lange Tradition besonderer Bildungsangebote für Menschen mit Fluchtgeschichte sowie für Aussiedler*innen, Spätaussiedler*innen und Übersiedler*innen an. Seit den 2000er-Jahren setzt der Bundesarbeitskreis gemeinsam mit Landesorganisationen regelmäßig BAMF-geförderte Integrationsprojekte um. Sie stärken gesellschaftliche Teilhabe, bürgerschaftliches Engagement und Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Ergänzend bieten einige Landesorganisationen Integrations- und Berufssprachkurse an.

Von 2017 bis 2019 beteiligt sich der Bundesarbeitskreis als eines von fünf Mitgliedern der Gemeinsamen Initiative der Träger Politischer Jugendbildung im bap am Verbundprojekt „Empowered by Democracy“. Bundesweit werden Angebote politischer Bildung mit jungen Geflüchteten entwickelt und umgesetzt. Geflüchtete werden dabei nicht nur als Teilnehmende angesprochen: Ihre Perspektiven und Erfahrungen fließen auch in die Gestaltung der Bildungsarbeit ein.

Die Arbeit mit jungen Geflüchteten gibt zugleich Impulse, die Diversitätsorientierung in der politischen Bildung weiterzuentwickeln und strukturell in der Organisation zu verankern.

ab 2002

Ausbau der Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung

Die Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat bei Arbeit und Leben eine lange Tradition. Bereits in den frühen Jahren der Bundeszentrale – die bis 1963 noch den Namen „Bundeszentrale für Heimatdienst“ trug – gehörte die Förderung freier Träger der politischen Bildung zu ihren Aufgaben. Arbeit und Leben ist seit jeher Teil dieses Netzwerks und etablierte eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale im Bereich der außerschulischen politischen Bildung. Mit der Weiterentwicklung der Förderstrukturen Anfang der 2000er-Jahre wurde diese Zusammenarbeit weiter gefestigt. Neben der Förderung von Bildungsangeboten wurden gemeinsame Qualifizierungen und innovative Modellvorhaben entwickelt, etwa zur Prävention von Rechtsextremismus und menschenfeindlichen Einstellungen, zur politischen Bildung im ländlichen Raum oder zur Auseinandersetzung mit Digitalisierung und Desinformation. Projekte wie „GehMit!“, „breit aufgestellt“, „Urteilskraft im digitalen Raum“ und „Obviously“ zeigen, wie dabei neue Zielgruppen, Methoden und gesellschaftliche Herausforderungen aufgegriffen wurden.

Bis heute ist die bpb ein wichtiger Partner von Arbeit und Leben. Als einer der großen Träger in der Richtlinienförderung ist der Bundesarbeitskreis dauerhaft am Runden Tisch der bpb vertreten. Darüber hinaus beteiligt er sich regelmäßig an Modellvorhaben und fachbezogenen Ausschreibungen und bringt dabei insbesondere seine Perspektive auf die Arbeitswelt ein.

2003

Entwicklungspolitische Bildungsarbeit wird ausgebaut

Ab 2003 erschließt der Bundesarbeitskreis die Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Gemeinsam mit Landesorganisationen werden Angebote umgesetzt, die globale Zusammenhänge, internationale Ungleichheiten und Perspektiven des Globalen Südens aufgreifen. Sie verbinden diese Themen mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen und eröffnen Möglichkeiten solidarischen Handelns.

2005

Bundesarbeitskreis bezieht Geschäftsstelle in Wuppertal

Mit dem Umzug nach Wuppertal erhielt die Bundesgeschäftsstelle des Bundesarbeitskreises nach mehr als vier Jahrzehnten im Jahr 2005 einen neuen Standort. Nach seiner Gründung war der Bundesarbeitskreis zunächst in Frankfurt am Main angesiedelt, wo die Geschäftsstelle an die Landesarbeitsgemeinschaft Hessen angegliedert war. 1959 wurde sie nach Düsseldorf verlegt, auch mit Blick auf die größere Nähe zu den politischen und gewerkschaftlichen Entscheidungszentren in Bonn und Düsseldorf. In den 1990er-Jahren wurde im Zuge des Umzugs von Regierung und Parlament nach Berlin auch eine Verlagerung des Bundesarbeitskreises nach Berlin diskutiert. Letztlich entschied sich der Vorstand jedoch für Wuppertal und damit bewusst für einen Standort außerhalb der Bundeshauptstadt, der dem föderalen Aufbau und der dezentralen Struktur der Bildungsarbeit Rechnung tragen sollte. Seit 2023 hat der Bundesarbeitskreis zudem ein Büro im neu eröffneten DGB-Haus in Berlin und die Zusammenarbeit mit dem DGB wurde insbesondere im Bereich gemeinsamer Projekte weiter intensiviert.

2006

50 Jahre Bundesarbeitskreis

Das Jubiläum ist Anlass für die programmatische Selbstvergewisserung: Politische und berufliche Mündigkeit bleiben Leitziele des Verbandes. Im Kontext wachsender sozialer Spaltungen erfolgt eine Neupositionierung. Bildung wird als Beitrag zur Entwicklung einer solidarischen und demokratischen Zivilgesellschaft beschrieben. Zum Jubiläum gibt der Bundesarbeitskreis eine Publikation über seine Geschichte im Kontext der Weiterbildungsgeschichte heraus.

Broschüre "50 Jahre Arbeit und Leben"

2008

Stärkung von Mitgestaltung und Selbstverwaltung im Handwerk

Mit dem 2008 gestarteten Projekt „GeCo – Gesellen – Coaching – Mitwirkung“ begann für Arbeit und Leben eine bis heute wichtige Zusammenarbeit mit dem Handwerk. Was zunächst aus regionalen Kontakten zwischen Arbeit und Leben und Handwerkskammern entstand, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem eigenständigen Arbeitsfeld. Mit den bundesweiten Projekten „PerSe – Perspektive Selbstverwaltung“ und „PerSe PLUS“ wurde die Bildungsarbeit zur Stärkung der Selbstverwaltung im Handwerk systematisch ausgebaut. Das aktuelle Projekt „FIT – Fit für die Zukunft im Handwerk“ knüpft daran an und richtet den Blick verstärkt auf Ausbildung, junge Menschen und neue Perspektiven für die Mitgestaltung im Handwerk.

2008 - 2009

Profilierung unter dem Leitbild „Demokratische Kultur der Partizipation“

Die Arbeitsbereiche Jugendbildung, Erwachsenenbildung und internationale Bildung werden unter dem Leitmotiv einer „demokratischen Kultur der Partizipation“ programmatisch zusammengeführt. Die bundesweit hohen Teilnehmendenzahlen insbesondere in der politischen Jugendbildung unterstreichen zugleich die Reichweite der Bildungsarbeit und stärken das Profil von Arbeit und Leben als bundesweite Fachorganisation politischer Bildung.

Jahrbuch 2008: "Politische Jugendbildung: Übungsfeld für Partizipation"
Jahrbuch 2010: "Mut zur Bildung in Zeiten des Prekariats: Aufklärung, Inklusion und Empowerment"

2010

Erste Schritte in den sozialen Medien

Mit einem eigenen Facebookauftritt erweitert der Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben seine Öffentlichkeitsarbeit um einen neuen digitalen Kommunikationskanal.

Das erste Facebook-Posting von Arbeit und Leben.

Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben