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1990 - 1999

Transformation und Aufbau Ost: Politische Bildung als Baustein demokratischer Zivilgesellschaft im vereinten Deutschland

Mit dem politischen Umbruch von 1989 verändert sich auch die Arbeit des Bundesarbeitskreises. Einerseits kommt der politischen Bildung mit der deutschen Einheit grundlegend eine neue Rolle zu.

Andererseits gilt es, in den neuen Bundesländern Debatten um den Aufbau tragfähiger Erwachsenenbildungsstrukturen zu begleiten. So wird die deutsche Einheit nicht nur zu einer neuen inhaltlichen Herausforderung, sondern auch zu einem wichtigen Schritt in der Entwicklung des Bundesarbeitskreises und seines bundesweiten Verbunds.

Das Team von Arbeit und Leben
Das Team von Arbeit und Leben

1990

Aufbau von Strukturen in den neuen Bundesländern

Ab Oktober 1990 begann der systematische Aufbau von Arbeit und Leben in den neuen Bundesländern.

Über den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) war die befristete Beschäftigung von Jugendbildungsreferent*innen vor Ort möglich. Gleichzeitig übernahmen westdeutsche Landesarbeitsgemeinschaften Patenschaften für Gründungen von Arbeit und Leben Organisationen in den neuen Bundesländern. Sie unterstützten den Aufbau durch Personal, Sachmittel und fachliche Beratung. Zwischen 1990 und 1992 entstehen so Landesorganisationen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Neben dem Modell der paritätischen Trägerschaft von Arbeit und Leben durch DGB und VHS übernehmen sie durch die Patenschaften auch fachliche Spezifika, die sich in den Landesorganisationen entwickelt hatten. So übertrug sich z.B. die niedersächsische Entwicklung, berufliche Bildung umzusetzen, auch auf den Aufbau einer Arbeit und Leben Organisation in Sachsen-Anhalt.

Neue Landesorganisationen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen

ab 1990

Einstieg in die strategische Projektarbeit

Angesichts vielfach rückläufiger Förderung in den Regelprogrammen sowie anhaltender Spardebatten wurde die Projektarbeit beim Bundesarbeitskreis ab den 1990er Jahren strategisch ausgebaut. Die Projekte ermöglichten es, aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen und das fachliche Portfolio der Organisation zu erweitern. Dabei blieb die Verbindung von politischer Bildung mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen als Kern und besonderes Profil von Arbeit und Leben handlungsleitend.

Einen ersten Strang bildeten Projekte zur HIV-Aufklärung in der politischen Jugendbildung und der Arbeitswelt mit Förderung des Jugend- und Gesundheitsministeriums. Durch die Verbindung von politischer Bildung mit beruflicher, medienpädagogischer oder interkultureller Bildung gelang es, neue gesellschaftliche Themen und Zielgruppen zu erschließen und mit neuen Fördergebern erste Verbund-Projekte wie „Radio aktiv – Jugend strahlt aus“, „Pal@ver im globalen Dorf“ oder „Deutsche und Ausländer gemeinsam: Aktiv im Alter“ umzusetzen und so – neben der Förderung aus den Regelprogrammen wie dem Kinder- und Jugendplan – eine zunehmend breiter aufgestellte Projekt- und Förderstruktur zu entwickeln.

ab 1993

Strukturelle Verankerung der Frauen- und Geschlechterpolitik bei Arbeit und Leben

Im Zuge einer zunehmenden Bedeutung von Gleichstellungs- und Frauenpolitik sowohl in der EU als auch in Deutschland wird auch bei Arbeit und Leben die Frauenbildungsarbeit zunehmend strukturell verankert. Mit dem „Schnepfenthaler Kreis“ beginnt 1993 die bundesweite Vernetzung der hauptamtlich in der Frauenbildungsarbeit Tätigen. 1994 wird analog zum Gender-Mainstreaming-Ansatz der EU geschlechtsspezifische Bildungsarbeit als Projektschwerpunkt und zugleich als Querschnittsaufgabe der politischen Bildung etabliert. Mit der Einrichtung des Arbeitskreises Frauen durch den Vorstand des Bundesarbeitskreises im Mai 1995 erhält die Geschlechterpolitik schließlich ein offizielles Gremium im Bundesarbeitskreis. Ab 2004 beschäftigt sich der Arbeitskreis Gender Mainstreaming mit Richtlinien, Grundsätzen und der Umsetzung der Arbeit unter der Geschlechterperspektive.

Ausgehend hiervon entwickelt sich mit der Zeit eine umfassendere Diversitätsperspektive, die auch weitere Dimensionen sozialer Ungleichheit berücksichtigt. In diesem Zusammenhang wurde auch eine Umbenennung des Arbeitskreises Gender Mainstreaming in „Diversitätsentwicklung“ diskutiert. Mit der dauerhaften Verankerung der Diversitätsorientierung als Leitprinzip der Projektarbeit und der Organisationsentwicklung wurden seine Anliegen zunehmend in anderen Arbeitszusammenhängen weitergeführt. Seitdem wird die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen in zahlreichen Bildungsangeboten und Projekten von Arbeit und Leben weitergeführt, aktuell beispielsweise im Projekt „Queer im dualen System“.

1998

Start des ersten Internetauftritts

Der Bundesarbeitskreis etabliert eine erste bundesweite Online-Präsenz. Dieser frühe Schritt in Richtung Digitalisierung ermöglichte eine bessere Vernetzung der Landesorganisationen und ist bis heute ein sichtbarer Beitrag zu einer zeitgemäßen Öffentlichkeitsarbeit.

Startseite der ersten Website von Arbeit und Leben, 1998
Hintergrundbild:
Startseite der ersten Website von Arbeit und Leben, 1998