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1970 - 1989

Reform, Bildungsurlaub und demokratische Auseinandersetzung

Die 1970er und 1980er Jahre sind für Arbeit und Leben eine Zeit des Aufbruchs, der Professionalisierung und der politischen Auseinandersetzung. Die Bildungsarbeit wird weiter ausgebaut und auf neue gesellschaftliche Herausforderungen ausgerichtet. Zugleich mischt sich Arbeit und Leben zunehmend in bildungspolitische Debatten ein und setzt sich dafür ein, dass politische Bildung und die Interessen von Arbeitnehmer*innen auch unter veränderten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ihren Stellenwert behalten.

1970

Bildungsurlaub wird erstmals Gesetz

Das Bundesland Berlin verabschiedet ein erstes Bildungsurlaubsgesetz. Es folgten Hamburg, Niedersachsen und Hessen und dann weitere Länder wie Nordrhein-Westfalen – häufig begleitet vom Widerstand der Arbeitgeberseite, der sich insbesondere in den Krisen der 1980er Jahre noch einmal verstärkte. Mit der Einführung der Bildungsurlaubsgesetze trug ein vor allem von der politischen Weiterbildung hartnäckig verfolgtes Vorhaben endlich konkrete Früchte. Die Forderung nach einem solchen Gesetz, das bezahlte Tage für die individuelle Weiterbildung vorsah, hatte Arbeit und Leben schon ein Jahrzehnt zuvor auf seiner Mitgliederversammlung im Bremer Gewerkschaftshaus im Juni 1960 erhoben. Für Arbeit und Leben wird der Bildungsurlaub, nachdem er Gesetz wurde, zu einem strategischen Schwerpunkt der Arbeit. Die Organisation richtet 1973 eine entsprechende Projektgruppe ein und beteiligt sich nach 1974 mit vier Landesarbeitsgemeinschaften an einem Modellprogramm des Bundes.

1970 - 1975

Dier vierte Säule der Bildung

Die westdeutsche Bildungsreform mit ihren Schulreformen und Hochschulgründungen brachte Fortschritte auch für die Weiterbildung, die jetzt als vierte Säule der Bildung anerkannt wurde (Deutscher Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen). In diesen Reformjahren gaben sich ausgehend von Niedersachsen 1970 eine Reihe von Bundesländern Weiterbildungsgesetze, die finanzierte Strukturen nicht nur für Volkshochschulen, sondern auch für Bildungsorganisationen wie Arbeit und Leben schufen.

1971/1972

Einrichtung von Ausschüssen für die Internationale und die Ost-West-Arbeit

Im Zuge der Entspannungsphasen im Ost-West-Konflikt richtete der Vorstand des Bundesarbeitskreises verschiedene Ausschüsse ein, die die Bildungsarbeit zeitadäquat und professionell auf die neuen internationalen und innerdeutschen Lagen ausrichteten. Die Ausschüsse selbst bildeten einen personellen Querschnitt aller Ebenen und regionalen Zugehörigkeiten der Organisation, die diese Arbeit nunmehr als strategischen Schwerpunkt ihrer Bildungsbemühungen begreift. Aus dem „Ausschuss für Auslandsarbeit“ ging der Arbeitskreis Internationales hervor, der noch heute als Arbeitskreis Internationale Bildungsarbeit die fachliche Programmkoordination verantwortet.

05.05.1973

Maria Weber wird zur Präsidentin gewählt

1973 wird Maria Weber zur Präsidentin des Bundesarbeitskreises gewählt – als erste Frau in diesem Amt. Die langjährige Gewerkschafterin und stellvertretende DGB-Vorsitzende ist insbesondere für ihr Engagement in der Frauen-, Bildungs- und Berufsbildungspolitik bekannt. Die Wahl einer stellvertretenden DGB-Vorsitzenden belegt, welche Bedeutung die Gewerkschaften der Bildungsarbeit von Arbeit und Leben zumessen. Bis heute liegt die Präsident*innenschaft für den Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben bei der jeweiligen stellvertretenden DGB-Vorsitzenden.

1973 wird Maria Weber zur Präsidentin des Bundesarbeitskreises gewählt

1976

Ausweitung der Förderung und Stärkung aktueller Themen

Mit dem 1976 beim damaligen Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit aufgelegten Sonderprogramm „Zentrale Aufgaben und Modelle der Jugendarbeit für lernschwache, berufsunreife, arbeitslose Jugendliche und Berufsanfänger” wurde die bisherige Regelförderung des Bundesarbeitskreises im Kinder- und Jugendplan erstmals um die Möglichkeit erweitert, modellhafte und innovative Ansätze zu aktuellen gesellschaftlichen und jugendpolitischen Themen zu entwickeln und zu erproben. Zunächst beteiligte sich der Bundesarbeitskreis mit dem Modellprojekt „Arbeitslose Jugendliche und Berufsanfänger“. 1978 startete das Vorhaben zur Entwicklung eines Curriculums „Lebenslage und Interessen abhängig Beschäftigter – Ein Beitrag zur Arbeiterbildung“.

Einstieg in die Projektarbeit

Copyright: Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben

1989

Neuorientierung im Zeichen des Mauerfalls

Mit dem Fall der Mauer verschiebt sich die Ost-West-Arbeit grundlegend. Der bisherige deutschlandpolitische Bildungsansatz – geprägt von Systemvergleich und Entspannungspolitik – wird abgelöst durch die Frage, wie politische Bildung im Prozess der staatlichen Einheit konkret zur Demokratisierung beitragen kann. Gleichzeitig beginnt die Vorbereitung des organisatorischen Aufbaus von Arbeit und Leben -Strukturen in den neuen Bundesländern.

Fall der Berliner Mauer, 1989

Copyright: Sue Ream, CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons
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